
Inhaltsverzeichnis (Empfehlung zur Lesereihenfolge)
- Wer ist Hocipoci?
- Es begann schleichend in mein Bewusstsein zu kriechen. Ich muss richtig Segeln lernen!
- Strategie YouTube „Segeln für Anfänger“
- Weltumsegler zum Anfassen mit Patreon, Freunde klären mich auf
- Motivation zum Segeln mit SV Delos
- Das perfekte Hafenmanöver, Anlegen Bug voraus in der Box
- Die Yacht, was moderne „Bordfrauen“ unbedingt auch lesen sollten
- Das Erste Mal mit zwei verdeckten Ermittlern
- Segelbücher für Frauen der anderen Art, must have!(Teil 1)
- Segelbücher für Frauen der anderen Art, must have! ( Teil 2)
- Segelbücher für Frauen der anderen Art, must have! (Teil 3)
- Die fröhliche Seemannschaft
Segeln macht glücklich, das ist wissenschaftlich erwiesen.
Damit dies gelingen kann, trägt der Skipper die Verantwortung. Diese Verantwortung lastet schwer auf dem Skipper, da er dafür mehr Fähigkeiten braucht als regelmäßig im Alltag. Der Skipper muss nicht nur im gerichtlichen Verfahren den Beweis erbringen, dass er die „Regeln guter Seemannschaft“ beherrscht. In einem solchen Fall ist das Kind im Regelfall „schon in den Brunnen gefallen“.
Auf jedem Törn, sei er noch so kurz, wird mehr erwartet, als die Fähigkeit zur praktischen Handhabung seines Bootes angepasst auf Revier, Wind und Welle. Beherrscht der Skipper sein Boot, dann könnte Segeln glücklich machen, aber so einfach ist es nun doch nicht.
Der Einhandsegler kann sich nur selbst seines Segelglückes berauben, wenn er seine Fähigkeiten der Bootsführung überschätzt und sein geliebtes Boot und sich selbst in Gefahr bringt.
Nach einer Umfrage der Yacht im Sommer 2018 (Nr. 15 vom 11.07.2018) waren 5 % der Segler Einhandsegler.
Wenn die also keinen Spaß haben, selber schuld!
Es verbleiben dann aber 95 % der Skipper, die sich der großen Aufgabe stellen müssen mit einer Crew und dem Boot eine fröhliche Seemannschaft darzustellen, so dass Segeln glücklich macht.
Und wie machen die das nun?
Neben dem Wissen, wie der Skipper in der Theorie sein Boot beherrscht und es in der Praxis sicher auch aus und in den Hafen bekommt, gehört zum Segelglück mehr.
Der Skipper als Kommandogeber braucht ein wachsames Auge, ein emphatisches Verständnis für seine Mitmenschen, auch Crew genannt, und gute Kommunikationsfähigkeiten, um mit seiner Mannschaft einen tollen Törn zu erleben. Dieser Verantwortung setzt er sich immer aus sowie er nicht als Einhandsegler die Gewässer unsicher macht.
Ob sich der Skipper selbst reflektiert und diese Verantwortung bewusst wahrnimmt, wenn er Mitmenschen auf sein Boot einlädt, bezweifele ich in vielen Fällen.
Dieses Wochenende konnte ich in kürzester Zeit beobachten, wie es wohl nicht geht mit der fröhlichen Seemannschaft.
Weil ich die Kardinalsregel: An Bord und unter Deck hat Ordnung zu herrschen und die Laufwege sind selbstverständlich frei zu halten, nicht beachtet habe, hatte ich mir bei Anreise einen dicken Seesack aus stabilem Segeltuch mit voller Füllung in den Weg gestellt.
Dass die Segeltasche von hoher Qualität ist und ebenso die Träger, merkte ich als ich beim Drübersteigen im Schnellverfahren meinen Fuß in den Träger wickelte und die Tasche nicht nachgab. So stellte ich mir prima ein Bein und schlug in voller Länge im Salon hin.
Der Boden ist auch von guter Qualität, er blieb Dellen frei aber ich hatte multiple Prellungen an den Knien, an den Ellenbogen und am rechten Handgelenk. Das war nicht nur schmerzlich betreffend meine Wenigkeit, sondern vermasselte uns auch das geplante Übungswochenende, da meine Beweglichkeit sehr eingeschränkt war.
Hätte ich doch bloß auf den Skipper gehört!
Dieses Malheur zeigt aber, wie wichtig es ist, dass die Crew ihr übertragene Aufgaben ordentlich umsetzt und nicht irgendwie irgendwas macht.
Bei kräftigem Nordwind und jammerndem Crewmitglied blieben wir dann zwangsweise am Wochenende im Hafen. Ich las die Yacht und unser neues Lieblingsbuch „Hafenmanöver Schritt für Schritt“ und guckte den anderen Seglern und ihren Mannschaften zu.
Neben uns boten zwei große 50 Fuß Yachten eines dänischen Herstellers was zum Gucken an.
Die eine Besatzung hatte in einer rot gekennzeichneten Box angelegt. Das rote Schild in einer Box zeigt jedem Gastlieger, dass diese Box besetzt ist.
Man versuchte dann bei uns und wohl auch beim Hafenmeister zu erfragen, ob mit einer Rückankunft des Liegeplatzmieters zu rechnen sei. Wir konnten nur wenig beitragen. Wir erklärten, dass der Motorbootskipper bereits seit drei Wochen mit seinem Motorboot unterwegs sei und dass er uns seine Planung über einen Zeitpunkt für seine Rückkehr nichts kundgetan habe.
Welche Infos sie vom Hafenmeister bekommen hatten, wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Jedenfalls lagen sie da und warteten auf ein befreundetes Boot und dessen Mannschaft.
Das andere Boot, ebenfalls dänischer Herkunft, auf das die Besatzung der ersten Yacht wartete, kam dann alsbald auch in den Hafen eingefahren. Die drei Herren, die sich auf dem Boot befanden, sahen aus wie altgediente Salzbuckel. Einer steuerte, die anderen taten lässig nichts.
Obwohl über zwanzig Knoten Wind im Hafen wehten, schien das die Mannschaft nicht im Geringsten zu verunsichern. So mutmaßte ich, dass ich gleich viel zu lernen kriegen würde. Da sollten wohl Könner am Werk sein!
Wegen dem Hochwasser hingen Fender, die an den Sorgleinen zum Steg von den Pfählen aus angebracht waren, alle auf dem Wasser und hatten damit keine Wirkung zwischen den Booten. Ich wunderte mich, dass keiner der Könner einen Fender parat hatte. Ich wunderte mich auch, dass das Boot nicht gewendet wurde und die Box mit dem Wind und nicht gegen den Wind angefahren wurde. Es mussten wohl super Könner sein. Meine Spannung stieg!
Dann krachte das Boot beim ersten Anlegeversuch ordentlich gegen den hinteren Boxenpfahl, kam schräg und nur wegen den schnellen Reaktionen der befreundeten Crew auf dem Nachbarboot wurde die Bugspitze von der Yacht davon abgehalten sich in den Fingersteg zwischen die Yachten zu bohren.
Rückwärts ging es dann wieder raus und es gab einen zweiten Anlauf.
Die Standfiguren, die wohl nur als altgediente Salzbuckel getarnt waren, reagierten nun mit lautem Gebrüll als der Skipper wiederrum gegen den Pfahl prallte und das Boot sich entsprechend bedingt durch den Wind am Pfahl drehte, anstatt gerade in die Box zu laufen. Der Skipper wehrte sich dann mit Gegengebrüll, sie sollten mal die Ruhe bewahren und die Leinen nehmen.
Mit vereinten Kräften des Nachbarbootes verlief der zweite Anlauf dann im Endergebnis erfolgreich. Nicht schön, wie man es eigentlich von den „Könnern“ erwartet hätte.
Da offensichtlich das mäßig gelungene Einlaufmanöver den Frohsinn der Mannschaft trübte, tröstete man sich dann nicht nur mit dem einen oder anderen Einlaufbier, sondern überwand die Missstimmung schnell mit Cuba Libre. Am Morgen blieb dann noch allein und auf sich gestellt an Deck der Nachbarn eine Flasche Gin stehen.

Ich freute mich für sie, dass sie so fröhlich gewesen waren und sich eine fröhliche Zeit nach dem kleinen Malheur gegönnt haben. Gerade für Könner ist es nicht einfach zu verkraften das Hafenkino zu geben. Aber ich freute mich auch sehr, dass nicht zur späten Stunde noch der eigentliche Liegeplatzinhaber heimgekehrt war. Der Wind hatte nicht nachgelassen und mit einer besseren Koordination war beim Ablegen der Yacht mit feuchtfröhlicher Crew nicht wirklich mehr zu rechnen gewesen.
Am frühen Morgen war ich ihnen allerdings nicht mehr freundlich gesonnen, viel mehr hätte ich sie lieber verwünscht.
Die Seebuckel hatten offensichtlich nichts reflektiert, was ihr Hafenkino vom Vortag eigentlich erforderlich gemacht hätte. Immer noch Hochwasser, immer noch kräftiger Wind aus Norden im Hafen und immer noch zwei Möchtegernkönner, die sich offensichtlich auch beim Ablegen zu fein waren mal einen Fender einzusetzen.
Ja und wo hält man sich dann ab, wenn das Boot vertreibt?
Eben nicht an der See Reling eines anderen Bootes! Dass die See Reling dafür nicht geeignet ist und schon gar nicht für Außendruck nach innen, lernt jeder Anfänger.
Aber was machten die kräftigen 100 Kilo Könnerkerle?
Sie warfen sich mit ihrer gesamten Manneskraft gegen die dünnen Seile unserer Reling, so dass es richtig krachte. Ich hatte sie gerade so schön in neuen Glanz versetzt. Sollte das schon wieder das Ende unserer Reling sein?
Am liebsten hätte ich diese Typen angebrüllt ob sie schon mal etwas von Fender Einsatz und Bootshaken gehört hätten. Die deutlich zu Tage getragene Selbstherrlichkeit dieser Crew war eindeutig eine, selbst von mir zu erkennende schlechte rücksichtslose Seemannschaft. Ein negatives Beispiel.
Als ich gerade meinen ersten Kaffee genoss und mich wieder beruhigt hatte, bahnte sich das nächste Übel an.
Ich hörte links direkt neben mir auf einem Charterboot Geschrei.
Die Crew, zwei nette Paare, waren am Vorabend schon eingetroffen und nicht gehetzt, wie häufig auf dem Charterboot, noch in die Nacht aufgebrochen. Sie hatten zumindest den dollen Regen abgewartet und sich nach der Anreise aus dem Süden von Deutschland ordentlich ausgeruht.
Jetzt hatten sie sich zünftig und witterungsgerecht gekleidet auf dem Boot verteilt. Es sollte wohl losgehen und warum gab es Geschrei?
Eine Dame war am Bug für die Leinen abgestellt. „Mach die mal zum Losfahren ab“ tönte es sehr laut und herrisch, offensichtlich von ihrem Gatten, aus Richtung Heck. Sie tüdelte die Leinen der windabgewandten Seite ab und begab sich nach Steuerbord.
Er eilte zu ihr und schrie sie an „nicht die an Steuerbord“.
Aber sie hatte dort doch noch gar nichts gemacht. Warum er so laut bei seinen Anweisungen war, war mir völlig unklar. Das Boot ist nicht ganz so groß und er stand doch direkt hinter ihr. Vielleicht war sie ja schwerhörig.
Sie fragte dann etwas verwirrt nach, wo nochmal Steuerbord wäre.
Er brauste sogleich wieder auf, ohne ihre Frage überhaupt zu beantworten. Mit lauthalsen Gemecker wollte er anscheinend allen anderen im Hafen verkünden, dass er kein Verständnis dafür habe, dass sie sich das nicht merken könne. Seiner Meinungsfreiheit hatte er damit mehr als ausreichend Genüge getan, meine Solidarität gewann er damit nicht. Wie ein Maschinengewehr gingen seine gebrüllten Befehle weiter, warum sie die andere Leine noch nicht aufgeschossen habe. Es war zum fremdschämen.
Er schritt mit wilden Gesten zurück Richtung Heck. Möglicherweise wollte er dem Rest der Crew Bericht erstatten, dass seine Frau einfach unfähig ist.
Ich blickte um die Ecke der Spray Hood, warf eine schnelles „Hallo“ rüber und blickte dabei einer Frau in die Augen, die offensichtlich ein bisschen damit haderte wie die Dinge gerade so lagen. Sie sah aber, trotz des befremdlichen Verhaltens ihres Mannes, noch nicht so aus, als würde sie zum Gegenschlag ausholen wollen um ihm mal die Meinung zu geigen.
Ich flüsterte daher zu ihr rüber, dass ich mir das wo Steuerbord ist über die R-Regel gemerkt habe. In dem Wort Steuerbord sind mehr R´s und deswegen gehört Steuerbord zu rechts, weil rechts eben auch mit R geschrieben wird.
Sie bedankte sich leise, offensichtlich war sie doch nicht schwerhörig und flüsterte rüber „wir segeln nicht so häufig, ab und zu hatten wir schon mal ein Boot gechartert, aber nur selten und ich vergesse da viel. Er kommuniziert auch nie mit mir. Er sagt nur, wenn ich danach frage, wie wir heute planen an oder abzulegen, wie immer. Mehr Informationen krieg ich nie.“ Dabei rollte sie mit den Augen.
Ein universelles Kennzeichen von Menschen über eine blödsinnige Verhaltensweise anderer. Ich empfand echtes Mitleid, was würde das für ein Urlaub werden?
Da ich das Buch Hafenmanöver Schritt für Schritt gerade in der Hand hatte, sagte ich ihr, sie solle sich das kaufen und darauf bestehen, dass er die jeweiligen Hafenmanöver mit ihr bespricht. Sie wisperte rüber, dass sie das Buch auch hätten. Gleichzeitig brüllte ihr Mann von hinten „Jetzt die andere Leine lösen“.
Das Boot fuhr nach vorne, kein Austausch mehr möglich und ich wünschte ihr eine gute Fahrt.
Erstaunt war ich, als ich auf dem vorbeiziehenden Boot bemerkte, dass ihr Mann gar nicht der Skipper war, sondern Mitschiffs nur herumstand und vor lauter Aktionismus, seine Frau „auf Spur“ zu bringen, vergessen hatte die Fender reinzuholen. Die riss dann noch schnell seine Frau ins Boot bevor sie am Pfahl hängen blieben und die Reling unter Stress setzten.
Ob das Ablegen ein glücklicher Start für eine fröhliche Seemannschaft und einen erfolgreichen Törn werden würde, stellte ich für mich in Frage. Genauso gut könnte sich hier die Statistik bewahrheiten, dass Wassersport die Sportart mit der zweithäufigsten Trennungsrate ist.
Glücklich ist jedenfalls anders!
Mich selbst ausgeknockt verblieb ich bei meiner ausgezeichneten Beobachtungsposition im Cockpit. Die Sonne war unverhofft herausgekommen und ich genoss die warmen Strahlen auf der Haut.
Ich hatte schon fast vergessen, dass zwei Liegeplätze neben uns ja noch die Yacht aus dänischer Manufaktur in der Box mit dem roten Schild lag. Es kam wie es kommen musste, der dortige Platzlieger/Dauermieter erschien mit seiner riesigen „Motorbootbrumme“.
Sein Blick versteinerte sich kurzfristig, als er seinen belegten Liegeplatz entdeckte. Die Starre war allerdings nur von kurzer Dauer, da er die Crewmitglieder der Yacht, die gerade die Landstromverbindung abmachten und sich zum Ablegen bereit machten sah. Der „Feind“ war nun in persona gesichtet
Schon ging das Geschrei los, wie die plötzliche Eruption eines Vulkans. „Ein rotes Schild, ob sie nicht gucken könnten, was sie sich einbilden würden, sie hätten da nicht zu liegen, das wäre sein Platz usw…“
Das in einer Lautstärke, die durchaus geeignet war alle umliegenden im Hafen befindlichen Boote über seine Meinung zu informieren.
Der Skipper der Yacht entschuldigte sich mehrmals damit, dass er gestern Abend nur erfahren habe, dass der Bootsanlieger bereits drei Wochen unterwegs sei und sie seien sofort weg. Er habe auch versucht vom Hafenmeister den Namen des Bootes zu erfahren, um seinen Standort rauszufinden und um rechtzeitig den Hafenplatz wieder zu verlassen. Er habe überall am Steg herumgefragt, um das AIS Signal des Bootes von dem Anlieger herauszukriegen. Er habe den Hafenmeister gebeten beim Eigner des Motorbootes anzurufen oder die Telefonnummer zu erhalten, um fernmündlich nachzufragen, ob er da eine Nacht bleiben könne. Vom Hafenmeister habe er aber weder Bootsnamen noch sonstige Daten erhalten, um kommunizieren zu können.
Zwischen den einzelnen Sätzen entschuldigte er sich immer wieder, was den Motorbootfahrer keineswegs in seiner Wut runterkühlte. Dieser brüllte weiter, es wäre sein Platz und er liege da schon seit 1995, die Hafenmeister würden ihn und sein Boot genau kennen, es wäre daher alles erstunken und erlogen und es würde Konsequenzen haben. Bei Rot hätte da keiner reinzufahren und wann er auf Rot oder Grün drehe wäre seine Sache.
Nunmehr war der Skipper der Yacht der dänischen Marke auch in Brasst und brüllte zurück, dass man ja nicht mehr als Alles versuchen könne und es überhaupt ein Unding sei, obschon man drei Wochen unterwegs sei, die ganze Zeit den Platz zu belegen durch eine rote Markierung. Dies sei unfaires Verhalten. So ging der Schlagabtausch wenig lösungsorientiert hin und her, schnell wie beim Tischtennis und laut wie beim Fußballspiel.
Dass der Skipper vom Motorboot die Auffassung vertrat, weil er für das ganze Jahr bezahlt, sei das auch immer und ausschließlich sein Liegeplatz und der Hafen sei sowieso einer der teuersten hier in der Gegend, waren aus meiner Sicht gar keine guten Argumente für Dauer-Rot.
Da Plätze für Gastlieger im Regelfall in den Häfen sehr beschränkt vorhanden sind, gehört es doch üblicherweise dazu, dass man sein Schildchen mit einem etwaigen Rückkehrdatum markiert auf grün hängt, wenn man wegfährt. Auch kenn ich es so, bei längeren Reisen, dass wenn man sich dazu entschlossen hat den Heimathafen wieder anzulaufen, man das Hafenmeisterbüro anruft und diesen bittet, dass Schild wieder von grün auf Rot zu drehen.
Macht man doch so beim eigenem Dauerliegeplatz. Es ist ja anders als beim Camping, wo man als Dauercamper seinen gesamten „Rabbelnasch“ auf seiner Parzelle hat.
Jeder Segler freut sich, wenn er ein grünes Schild sieht und ein Plätzchen im Hafen frei ist für die Nacht.
Wenn das stimmen sollte, dass der Hafen tatsächlich relativ teuer ist, dann wäre es nach meiner Milchmädchenrechnung sinniger, besonders darauf zu achten, dass auch Gastlieger kommen können. Diese bringen dem Hafen ja auch fleißig Liegeplatzgebühren ein, so dass sich die Kostenspirale nicht immer weiter hochdreht.
Soviel Gebrüll war jedenfalls absolut unnötig und beschleunigte auf keinen Fall das Ablegemanöver des Einen und das Anlegemanöver des anderen Bootes.
Diese Umgangsformen unter Wassersportlern waren schlichtweg nur stimmungstrübend. Macht die Freiheit auf dem Wasser die Wassersportler zu Egoisten?
Das Motorboot lagerte vor der Box und fuhr vor und zurück. Es wirkte wie ein Hai im Angriffsmodus und machte das Ablegemanöver für die Yacht deutlich schwieriger, weil so kaum Platz vorhanden war. War nicht alles gesagt, oder schon zu viel gesagt? Sollte die zusätzlich geschaffene Hürde beim Ablegen eine Strafe sein? Verhalten sich so glücklichen Menschen?
Glückliche Menschen sehen anders aus!
Ich nahm mir vor beim Hafenmeisterbüro mal nachzuhaken und im Vertrag für den Liegeplatz nachzuforschen welche Handhabung betreffend die Liegeplätze gilt, auch wenn die Hafenordnung vielleicht irgendwo im Kleingedruckten genauer festgehalten ist.
Der Sonnenuntergang war schön. Der Hafen bekam eine friedvolle Ruhe. Was für ein Wohlgefühl.
Als ich sah, dass ein Mann und eine Frau auf einem Segelboot gemeinsam anfingen Hafenmanöver während des Sonnenuntergangs zu üben, erfreute das mein Fendergirlherz.
Sie am Steuer, er neben ihr. Man tuckerte einmal das Hafenbecken entlang. Sie wendete und brachte das Boot in Gegenwindrichtung.
Klasse, dachte ich. Endlich eine kleine Crew die auch zu zweit an Bord richtig funktionieren will und für jede Art von Notfall gewappnet sein will. So macht segeln bestimmt glücklich.
Ich fand sie machte das gut.
Eine solche Wendung mit dem Boot traute ich mir nach meinen Fahrübungen noch nicht zu. Allerdings müsste ich auch mit unserem Boot auf der Stelle drehen und sie konnte aufgrund der Länge ihres Bootes wenden.
Während ich richtig froh diesem Paar zusah und darüber sinnierte, ob solche Musterbeispiele, die Frau am Steuer mit langjährigem Skipper, zum Prestigeobjekt bei Seglern werden könnte, leitete sie den Abbieger zu ihrem Liegeplatz ein.
Und meine Idylle wurde bis ins Mark erschüttert. Er brüllte „weiter links, weiter recht, mehr geradeaus“. So schnell getaktet, dass dem kein Boot wegen seiner Trägheit folgen konnte. Sie wurde panisch. Er hörte nicht auf, bevor die Yacht nicht in der Box lag. „Jetzt die Leine, Jetzt die Leine“ aber alles mit vollem Lungenvolumen. Warum so laut? Robert von der Yachtschule Eichler fiel mir sofort ein. Er hatte gemutmaßt, dass das Geschrei im Verhältnis zur eigenen Ahnungslosigkeit steht. Während das Anlegemanöver eigentlich tadellos ablief, verstörte mich, zehn Boote weiter ab, der Tonfall von ihm.
Wie musste das für die Frau sein, der er direkt in das Ohr brüllte? Demütigend, demotivierend. Das muss sich doch kein Mensch gefallen lassen.
Es klappte doch alles. In der Ruhe liegt die Kraft hat mein erster Reitlehrer immer gesagt. Noch niemals habe ich gehört, das Schüler schneller und besser lernen, wenn sie angeschrien werden. Üben ganz viel, korrigieren und positiv bestätigen und nur im Notfall eingreifen. So machen es doch auch die Fahrlehrer in den Fahrschulen, wenn man Autofahren lernt. Schreien und Gebrüll ist das Gegenteil von vernünftig Segeln sagt Robert immer wieder. Möglicherweise muss man für das Üben auch vorher Grenzen ziehen und diese klar formulieren damit es gut klappt. Nicht das jemand plötzlich aussteigt, weil jemand ständig und immerzu „aktiv kommentiert“.
Ich erinnere mich da an meine Mutter. Sie war etliche Jahre nicht mehr Auto gefahren. Ich war vielleicht fünf und wir fuhren von unserem Wohnort regelmäßig zum Wochenendhaus nach Ventschau. Das lag wundervoll im Wald und nachdem man die letzte geteerte Straße im Dorf passiert hatte, führte ein Feldweg aus Sand zwischen dem tiefen liegenden Acker von Bauer Frömming und dem Waldsaum zu unserer „Datscha“.
Mein Vater liebte sein Auto, fuhr gerne und meine Mutter, die auch einen Führerschein hatte, fuhr eigentlich nie. Plötzlich änderte meine Mutter aber den Kurs und wollte auch wieder Auto fahren und nicht immer Beifahrer sein. Ich beobachtete die Neuerungen gespannt von meiner unangeschnallten Rücksitzbank während mir der Rauch um die Ohren wehte. So war das damals.
Es war eigentlich üblich, dass entweder unser Cockerspaniel Katja während der Fahrt spukte oder ich. Ich eigentlich regelmäßiger als der Hund. Jedenfalls war ich bei dieser Fahrt von Hamburg zum Wochenendhaus so beschäftigt, dass ich gar keine Zeit fand um mich zu übergeben. Ich war derart gebannt von dem Schauspiel welches meine Eltern mir boten, da war keine Zeit für irgendwelche Übelkeit.
Meine Mutter fuhr und die ganze Zeit kommentierte mein Vater. Meine Mutter sollte weiter rechts fahren und nicht so mittig. Immer wieder, ohne Gebrüll, kam „weiter rechts, weiter rechts“. Von meiner Mutter kam dann immer „ich fahre rechts, ich bin doch rechts“.
Ich habe es gegoogelt circa 2 Stunden lang über 195 km. Kein Gebrüll aber schon eine merkliche Spannung bekam ich mit, die mich ebenso ablenkte, was ich gut fand. Filme im Auto gucken gab es da noch nicht.
Es war alles noch harmlos bis wir dann auf den Feldweg fuhren. Als mein Vater, meiner Mutter selbst auf dem Feldweg mit „weiter rechts“ kam, platzte ihr offensichtlich der Kragen. Es wurde lauter und ich merkte genau, dass meine Mama jetzt den Zustand erreicht hatte, dass ihr der Kragen platzt.
Sie verkündete deutlich lauter als normal, sie würde meinem Vater jetzt mal zeigen wo weiter rechts ist, legte das Lenkrad um und schon hing der Wagen halb schräg auf dem Hang zum Acker von Bauer Frömming hin.
Meine Mutter stieg bei laufendem Motor aus, schlug die Fahrertür zu und stapfte davon. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich kurz irritiert war, weil sie uns allein ließ, aber ich war sehr beeindruckt und wusste ab dem Tag wo rechts und links ist.
Mein Vater war sauer und musste Bauer Frömming holen, damit er das Fahrzeug mit dem Trecker von der Schräge zog. Bewegen konnte mein Vater sein Auto so nicht mehr.
Ich hingegen war begeistert. Ich hatte jetzt endlich genau drauf wo rechts und links ist, was ich im Straßenverkehr beim Üben des „wie muss man als Kind gucken, wenn man eine Straße überqueren will“ immer in Tüdel gekommen war. Ich freute mich damals wie ein Schneekönig, mein Vater weniger.
Tja, vom Boot kann man nicht so einfach aussteigen, schon gar nicht, wenn es auf dem Wasser ist, aber Übungsmethoden bzw. Manöver sollten immer mit Bedacht gefahren und geübt werden. Kein Geschrei und immer nur die angemessene Dosis an „konstruktiver Kritik“.
Ich beobachtete die beiden noch über die Zeit bis sie alle Leinen belegt hatte und fand, dass es ein erfolgreiches Hafenmanöver war. Bis auf die Lautstärke und den Tonfall vom Skipper, der so verstörend wirkte.
Wie ich beobachten konnte, hat er sie nicht mal hinterher umarmt.
Bei einem gelungenen Hafenmanöver und vielleicht ihrem Allerersten und seinem unangemessenen Gebrüll, wäre das nach meiner Meinung nach mindestens angemessen gewesen. Ich habe für die Beiden keine gute Zukunftsprognose, bin ich doch auch ein Kind meiner Mutter.
Segeln macht eigentlich glücklich. Zumindest die, die das Glücklichsein nicht mit Selbstherrlichkeit, Arroganz, Egoismus und Gebrüll zunichtemachen.
Hocipoci