Segelbücher für Frauen der anderen Art, must have! Teil III (-Zeitgemäß hin oder her-)

Inhaltsverzeichnis (Empfehlung zur Lesereihenfolge)

  1. Wer ist Hocipoci?
  2. Es begann schleichend in mein Bewusstsein zu kriechen. Ich muss richtig Segeln lernen!
  3. Strategie YouTube „Segeln für Anfänger“
  4. Weltumsegler zum Anfassen mit Patreon, Freunde klären mich auf
  5. Motivation zum Segeln mit SV Delos
  6. Das perfekte Hafenmanöver, Anlegen Bug voraus in der Box
  7. Die Yacht, was moderne „Bordfrauen“ unbedingt auch lesen sollten
  8. Das Erste Mal mit zwei verdeckten Ermittlern
  9. Segelbücher für Frauen der anderen Art, must have!(Teil 1)
  10. Segelbücher für Frauen der anderen Art, must have! ( Teil 2)
  11. Segelbücher für Frauen der anderen Art, must have! (Teil 3)

Da ich mir meinen Plan für den „Segelurlaub“ nicht vollständig vom Wetter zunichtemachen lassen wollte, beschäftigte ich mich tatsächlich den ganzen Tag nur mit Segeln in der Theorie. Bücher Filme Videos Zeitschriften.

Das „Hafenkino“ war so schnell gelesen, so dass ich glücklich war, als der Postbote am nächsten Tag gleich den zweiten „Bücherschatz“ brachte:

„Die perfekte Bordfrau“ von Joyce Sleightholme, erschienen 1970.

Dieses Buch sollte damals den Frauen helfen eine „bessere Figur“ an Bord abzugeben und ihnen das Segeln näherbringen.

Es geht richtig ums Segeln und nicht um das aufs Boot abgestimmte Tagesmakeup oder Sport im Sinne von „Bauch, Beine, Po“ auf einer Yacht.

Natürlich ist seit dem Erscheinen des Buches viel passiert.

Das Leben und die Rollenverteilung von Mann und Frau, hat sich sehr sehr gewandelt. Männer können jetzt auch Erziehungszeiten nehmen. Frauen dürfen auch früher typische Männerberufe erlernen.

Aber wie ist es beim Segeln?

Die gute Joyce muss ja ihre Erfahrungen gesammelt haben bevor sie das Buch geschrieben hat und es dann in Übersetzung bei Delius Klasing veröffentlicht wurde.

So ist es also ganz schön lange her und ihr Blickwinkel und ihre Erfahrungssammlung liegt gewiss noch länger als 1970 zurück.

Eine perfekte Bordfrau für meinen Skipper zu sein und nicht nur ein wenig den Fender zu schwingen war ja mein Ziel. 51 Jahre nach dem Erscheinen des Buches sollten sich doch in dem Buch gute Ansätze für meinen Weg finden lassen!

Als ich bei meiner Recherche nach Frauen und Segeln gegoogelt hatte, war ich auf das Buch aufmerksam geworden. Es gab Anmerkungen zu dem Buch, die ich auch las. Darin hieß es, dass Buch sei nicht mehr zeitgemäß.

Davon ließ ich mich aber nicht abschrecken, weil es thematisch meinem Beuteschema entsprach. Es wurde daher im Antiquariat bestellt und nun war es da und ich sehr aufgeregt.

Natürlich hatte ich mich auch bemüht weitere Tipps zu sammeln und auch wegen möglicher Hilfestellung für meinen Weg ein bisschen in Segelforen recherchiert. Dabei war ich auf ein männliches Wesen gestoßen, was das Buch „die perfekte Bordfrau“ als nicht zeitgemäß erachtete und deswegen eine eigene Variante, nämlich „die perfekte Bootsfrau“ schreiben wollte.

2010 im September startete der Herr „Fred von der Donau“ im Boote-Forum.de einen Aufruf an das Forum und damit an die „Kenner“.

Der Aufruf lautet wie folgt: „Hallo zusammen, da ich an einem Buch schreibe mit dem Titel „die perfekte Bootsfrau“ würde ich mich über jede Menge Beiträge und Erfahrungen sehr freuen, die ihr mit euren Frauen und Bootsbegleiterinnen gemacht habt…Danke im Voraus, Fred von der Donau“

Liest man sich die Beiträge auf seine Anfrage durch, scheint sich das Bild der Frau an Bord aber noch nicht so stark gewandelt zu haben, wie man meinen sollte.

Auch wenn ich manchen Kommentaren positiv unterstellen will, dass sie nur witzig sein sollten, wird durchaus noch ein Bild gezeichnet von der Frau an Bord die „das Anlegebier“ schnell „dem Helden“ herüberreicht. Mehr so Lieferdienst zum Anfassen mit wenig weiterem Nutzen an Bord. War das 2010 noch so?

Das Frauen richtig segeln können, dürfte 2021 außer Frage stehen.

Sie haben ihre Plätze im Rennsport, stellen Rekorde auf in jedem Alter und kaufen sich, wenn sie lustig sind und das Seglergen in sich tragen, eigene Boote, um die Welt auf dem Wasser zu erobern.

Frauen sind manchmal die Einzigen, die auf Langfahrt im Besitz der notwendigen Scheine sind.

Ich möchte da nur auf das erste Q&A der Blue Horizon (Episodse 28) verweisen. Als es um die Scheine geht, ist Sie die Einzige, die den Sportbootführerschein See hat. Die Jungs nicht.

Skipper Marcus.de hat das in 2017, und das ist ja noch nicht ganz so lange her, mal alles schön aufgedröselt, mit den Männern und Frauen die segeln. Findet man unter Stichwort „Zielgruppe Segler“.

Er wollte es genau wissen. Wo kommen die meisten deutschsprachigen Segler her? Wie ist die Altersverteilung? Wie ist das Verhältnis Männer zu Frauen? Über seinen Blog und seinen Facebook Account hatte er sich das erschlossen, da er sonst dazu wohl nichts anderes gefunden hat.

Da waren es bei den über Facebook erreichten Personen 26 % Frauenanteil und 73 % Männeranteil beim Segeln. Wo die sonstigen 1 % herkommen, weiß ich nicht. In der Gesamtgruppe der Frauen waren 8 % im Altersbereich von 25 bis 34 Jahren.

Erstaunlich was man so alles über Facebook herauskriegen kann.

OK, aus dem Alter der 8 % bei den Seglerinnen, also einem großen Anteil an den segelnden Frauen, falle ich raus.

Ob die Zahlen so stimmen, spielt für mich auch keine große Rolle, denn subjektiv ist mein Eindruck, dass insgesamt mehr Männer unterwegs sind.

Im Übrigen will ich ja sowieso nur Segeln lernen, damit wir zu zweit viel Spaß auf dem Boot haben können und unsere Crew zu zweit auch sicher und verlässlich bei schwierigen Anforderungen miteinander klarkommt. Was scheren mich da die Prozentzahlen!

Muss ja sowieso jeder für sich entscheiden, in welcher Form und mit welchem Anspruch er seine Partnerschaft lebt und Hobbys teilt.

Zeitgemäßes Buch hin oder her, ich stehe auf Doris Day Filme. Auch aus denen kann man viel lernen und ich wollte lesen und lernen.

Es wurde eine lange Lesenacht und als Noch-Nicht-Segler kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen.

Das Einzige, was mir überhaupt nicht gefiel, war der Rezepte Teil.

Wer mag schon Kartoffelbrei aus der Tüte? War damals aber was Feines.

Das verstehe ich nicht unter geeigneter Küche für gute Stimmung.

Andererseits erinnere ich mich an einen Artikel in der Yacht, der komplett Fertiggerichte aus der Tüte in allen Varianten zum Thema hatte.

Das war aber sicher eher für Menschen gemacht, die Einhand um die Welt segeln und zwar Nonstop. Vielleicht auch für die Regattacrews und weite Strecken.

Aus meiner Sicht hätte das genauso gut eine Präsentation für eine Marsmission sein können.

„Der Marsianer“ stand auch nicht wirklich „auf Tüte“. Überlebt hat er als produktiver Selbstversorgen mit Frühkartoffeln.

Kochen an Bord ist eben auch sehr individuell und wirklich ein Thema für sich:

Ich sag mal ausschließlich Geschmackssache.

Wobei, wenn es mir nicht schmeckt bekomme ich furchtbar schlechte Laune. Geht das anderen auch so, dann müssen sie sich als Crew wirklich gut absprechen bei gemeinsamen Törns. Sonst wird es die Hölle.

Wir waren mal ein paar Tage in Hongkong und ich kann mich nicht daran erinnern, jemals so „stinkig“ wegen dem Essen irgendwo auf der Welt gewesen zu sein.

Wir haben billig und teuer und überall gegessen und selbst im „Pizza Hut“ schmeckte meine Lieblingspizza von dieser Kette anders und gar nicht gut. Meine Stimmung sank und es bauten sich Sorgen auf, was uns in Indonesien erwarten würde.

Das beste Essen gab es noch im „Chunking House“ in einer indischen Kaschemme, aber das war so scharf, dass man im Nachgang auch so seine Sorgen hatte. Gibt es das eigentlich noch oder ist das abgebrannt?

Das Buch „die perfekte Bordfrau“ fand ich sehr motivierend, weil die Joyce Sleightholme auch viele zeitlose Dinge kundgetan hat, die meines Erachtens immer noch wichtig sind.

Nicht nur die Dinge, die die Grundlagen des Segelns betreffen, sondern auch die Dinge, die man beachten sollte, wenn man sich als Team besonderen Herausforderungen stellen möchte.

Bereits in ihrem Vorwort führt sie aus, dass in echten Gefahrensituationen die Fähigkeit der „Bordfrau“ das Schiff tatsächlich schippern zu können über Leben und Tod entscheiden kann.

Machen sich Skipper darüber Gedanken?

Es ist auch ein sehr lustiges Buch, der Witz liegt manchmal auch gerade in der „Zeitreise“.

Im ersten Kapitel werden die Frauen der Skipper in vier verschiedene Kategorien eingeteilt: „Entweder das weibliche Wesen segelt mit und hat Spaß daran oder sie segelt unter Protest mit, weil sie nicht alleine zu Hause bleiben will oder sie segelt um keinen Preis mit und setzt alles daran auch ihn abzuhalten oder sie gibt ihm ihren Segen und sucht sich selbst ein anderes Hobby“.

Diese Typisierung deuchte mir nicht völlig fern von der Realität zu liegen, so bezogen auf das was ich bisher als Fendergirl mitbekommen habe.

Typ 1 und Typ 4, wir nennen sie jetzt mal Partner, wären für den jeweiligen Skipper eine Sorte Mensch über die man sich glücklich schätzen kann. Wobei Typ 1 der Idealfall sei, denn die Variante führe zu einem „Familienidyll“.

Typ 4 muss ohne „Familienidyll“ auskommen, aber Typ 4 hat dann seinen Kameraden und segelt mit dem, weiß aber das sein Partner zwischenzeitlich anderweitig glücklich ist.

Typ 2 und 3 ist eben nicht so gut für einen Skipper zu verkraften und davon gab es zu den Zeiten der Veröffentlichung dieses Buches, nach Einschätzung der Autorin, Tausende.

Typ 2 wäre der Typ Märtyrer, bei dem es unter Umständen vorkommen kann, dass nach einiger Zeit der Mensch dann doch ein gewisses tatsächliches Gefallen am Segeln findet. Ganz nach dem Prinzip „die Hoffnung stirbt zuletzt“.

Bei Typ 3 hat man nur eine Nervensäge zu Hause, aber während man segelt hätte man richtige Erholung und Spaß.

Insbesondere wirft die Autorin des Buches aber sehr weitsichtig das Problem auf, dass das dumme bei einer Zwei-Mann-Crew mit einem Märtyrer neben dem Skipper ist, dass das Schiff, solange der Partner sich nicht voll an Bord mitbetätigt, unterbemannt ist.

Der Skipper ist quasi Einhandsegler, ohne sich jedoch wie beim wirklichen Einhandsegeln voll auf sein Schiff konzentrieren zu können, weil er mit einem Auge immer nach seiner unwilligen Crew schielt, um sich zu vergewissern, dass der Partner der Situation auch gewachsen ist.

Für mich eine plausible Hypothese warum es Einhandsegler gibt.

Sie schreibt das Buch jedenfalls für alle vier Typen und ganz besonders für Anfänger und das macht sie gut und führt auch deutlich aus, dass Skipper möglicherweise zu der „Unlust“ am Segeln ihren Teil beigetragen haben, wenn sie ihren Partner „Kopf über“ ins Gewühl geschickt haben, ohne ausreichend und individuell zu bedenken, dass viele Dinge für den Noch-Nicht-Segler eben nicht selbstverständlich sind.

Ihre Vorstellung von Familie, die aus Mann und Frau als Paar und dann ggf. noch Kindern besteht, ist heute natürlich nicht mehr in der Ausschließlichkeit vorhanden. Es gibt deutlich mehr Varianten. Das ändert aber nichts daran, dass es aus vielen Gesichtspunkten besser ist, nicht nur ein Fendergirl an Bord eines Schiffes zu sein, sondern auch Skipper sein zu können.

Nicht dass mich jetzt einer falsch versteht, vom Fendergirl zum Skipper bedeutet nicht, dass man in Konkurrenz zum Skipper treten möchte. Hier geht es absolut gar nicht um Konkurrenz oder Geschlechterkampf.

Aber wenn man sich mit seinem Partner besonderen Herausforderungen ausgesetzt sieht und wie gesagt, das Wetter, das Meer und der Wind, die Häfen und die Manöver auf dem Wasser berücksichtigt, dann sollte man sich bemühen eine seglerische Ebene zu erreichen, die nicht nur aus Kochen, Cocktails schlürfen und irgendwie Fender heraushalten besteht.

Viele Dinge die auch definitiv heutzutage zum Segeln gehören werden in Grundlagen gut erklärt und sind gut bebildert.

Dazu gibt es auch ein richtiges Lexikon für Seemännische Fachausdrücke, die deutlich einfacher zu verstehen sind und einfacher formuliert sind, als wenn man diese Begriffe in Wikipedia googelt. Quasi wie ein Vokabelheft.

Das Buch hätte mal eine andere Freundin von mir haben sollen! Der wäre dann mühsame eigene Vokabelerarbeitung erspart geblieben und sie hätte ganz schnell einen kompletten Vokabelschatz zur Verfügung gehabt, um die plötzlich nicht gewohnte Fremdsprache ihres Mannes interpretieren zu können.

Welch eine Erleichterung wäre das gewesen und wieviel mehr Spaß.

Auch der Erste Hilfe Teil ist meines Erachtens nach sehr gelungen, weil es für die hauptsächlichen Leiden, die an Bord behandelt werden müssen, viele gute Tipps bietet.

Das Buch bringt einem – zumindest mir – nicht nur mehr Verständnis für das Segeln, sondern hat auch den gewissen Reiz einer Zeitreise. Mir hat es sehr gefallen und ich kann verstehen das es ein Bestseller war.

Hocipoci

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