Das perfekte Hafenmanöver, Anlegen Bug voraus in der Box

Inhaltsverzeichnis(Empfehlung zur Lesereihenfolge)

  1. Wer ist Hocipoci?
  2. Es begann schleichend in mein Bewusstsein zu kriechen. Ich muss richtig Segeln lernen!
  3. Strategie YouTube „Segeln für Anfänger“
  4. Weltumsegler zum Anfassen mit Patreon, Freunde klären mich auf
  5. Motivation zum Segeln mit SV Delos
  6. Das perfekte Hafenmanöver, Anlegen Bug voraus in der Box
  7. Die Yacht, was moderne „Bordfrauen“ unbedingt auch lesen sollten
  8. Das Erste Mal mit zwei verdeckten Ermittlern
  9. Segelbücher für Frauen der anderen Art, must have!(Teil 1)

Ausgangspunkt für meine Überlegungen war natürlich unser Heimathafen. Präzise gesagt unsere Box. Wegen der Tiefe des Hafens Gelting-Mole ist es bei unserem Boot besser mit der „Nase“ nach vorn, also mit dem Bug am Steg anzulegen. So setzt man nicht auf und kann über den Bugkorb an Land gehen. Am Heck geht es eher Treppen runter. Suboptimal, um gut auf den Steg zu kommen.

Also stellte sich mir die Frage, wie macht man das Boot zu zweit fest, ohne vorher den Steg ab zu rammen oder eben nicht so weit vom Steg weg zu sein, dass man bei dem berühmten „Spring“ im Hafenbecken landet.

Habe ich schon gesehen, ist gar nicht schön.

Der gar nicht Segler mag die berechtigte Frage bei meinen Ausführungen aufwerfen wollen, warum ich mir nicht erstmal Gedanken mache, wie ich aus dem Hafen und der Box zu zweit rauskomme.

Das ist einfach erklärt: Wir würden – so mein Plan – nur bei mir wohlgesonnenem Wetter rausfahren.

Das heißt, da liegen dann die Leinen vorne, so dass man vom Bug aus beide Vorderleinen bedienen kann und gar nicht auf den Steg muss. Das Boot kann dann vom Steuermann leicht rückwärts aus der Box herausgefahren werden, ohne dass Hektik und drückender Seitenwind die Situation belasten. Die Fender sind vorher alle eingeholt. Die Heckleinen los zu machen, kann solange man langsam raustuckert, auch der Steuermann mit übernehmen und rein präventiv kann auch noch ein Fender rausgehalten werden, nach dem die Leinen vorne eingeholt sind.

Daher mein Fokus auf das Wiederkommen und Anlegen, denn während wir auf dem Wasser sind, könnte das Wetter ja anders, als für ein Fendergirl geeignet, werden. Das Wetter kann sehr launig sein.

Hinten sind vier Pfähle an unserer Box, zwei weiter draußen und zwei die ungefähr kurz hinter dem Ende vom Boot also dem Heck stehen. Vorne auf dem Steg zwei Klampen.

Welche Aufgaben fallen beim Anlegen und Festmachen nun an?

Bei unseren Familiencrew Reisen hatten wir den Steuermann. Als zweiten Mann, den der neben der Sicherung durch Bugstrahlruder die Dalben hinten mit den vorbereiteten Leinen belegt, also vom Heck aus, die Pfähle bespielt. Dann den dritten Mann, der den Abstand vom Bug zum Steg angibt und mit den Vorderleinen von Bord auf den Steg springt und die Leinen um die Klampe legt und wieder zurück aufs Boot führt, also auf slipp, und dann festmacht. Daneben war ich als Fendergirl damit beschäftigt alle Fender rauszuhängen, nachdem wir die Dalben hinten passiert hatten und gleichzeitig bei Versatz des Bootes durch Wind zu der richtigen Stelle zu laufen, um zwischen unser Boot und die daneben liegenden Boote einen weiteren Fender als Abstandshalter zu bringen.

Klappte bei unserer Familiencrew wie am Schnürchen, aber wie sollten wir das zu zweit schaffen?

Steuern und womöglich noch irgendetwas nebenbei machen, wollte ich unter keinen Umständen. Ich habe ein schlechtes Raumgefühl und wollte einen Plan der mir Bekanntes einbezog, also Fender rausmachen, Zusatzfender und dann…

Wie sollten alle diese Aufgaben schlau verteilt werden, unter Berücksichtigung der Einschränkung, dass meine Kniee nicht mehr spring- oder lauftauglich sind?

Mit regelmäßigem Reha-Sport unter Anleitung meiner tollen Trainer kann ich mich noch gut bewegen und auch spazieren gehen, aber für Springen, Hüpfen und alles ganz eilig, haben sie ausgedient. Da ich mich für neue künstliche Kniee überhaupt nicht begeistern kann, muss ich als Crewmitglied aufgebraucht werden mit meiner jetzigen körperlichen Verfassung. Das mach die Sache nicht einfacher!

Da man so gut zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen kann, wenn man YouTube Tutorials gleichzeitig mit „Schritte machen“ verbindet, ging ich wieder auf die Suche.

Ich muss noch einschieben, dass ich bereits Kontakt hatte mit virtuellen Programmen zu dem Thema „Hafenmanöver“, wo man alles konfigurieren kann vom Boot bis zum Hafen. Man kann mit dem Finger am Steuerrad drehen, wenn die eigene Feinmotorik das hergibt. Wirklich tricki!

Solche Programme waren mir schon von Segelbegeisterten gezeigt worden. Damit könnte man in der Theorie super üben, so dass man hervorragend in der Theorie, für alle Hafenmanöver vorbereitet sei.

Meine Feinmotorik, meine Altersweitsichtigkeit und meine mangelnde Vorstellungskraft reichten nicht aus, um mich für diese Programme und deren Nutzung begeistern zu können. Meine Vorstellungskraft war auch nicht ausreichend dafür, dass, wenn man mit einem Fingertouch eine Leine magisch verschwinden ließ, wie dann in echt, der entsprechende Mann außerhalb des Bootes, wieder in das Boot zurückkommen sollte. In den Programmen ging es immer einfach nur ping, ping, ping, die Leinen waren ab, aber Menschen, die sich noch irgendwie bewegen mussten, waren dabei nicht zu sehen. Aber das wollte ich doch gerade wissen. Wie bewege ich mich sinnhaft?

Geschrieben wurde auch teils ganz viel. Das war ein bisschen anstrengend zu lesen, insbesondere auf dem Handy, man musste immer alles hin und her schieben. Alles auf dem Handy ist immer etwas mühsam, am Schönsten ist es Alles auf Größe Fernsehbildschirm zu habe und ohne Lexikon für Bootssprache.

Es gab auch irgendwas wo man dann mehr Spaß haben sollte und auch verstehen sollte, wie man sich im Hafenbecken bewegt. Hier sollte man Enten überfahren, um den richtigen Weg zu finden. Vielleicht sollte man sie auch nicht überfahren – ich habe es nicht richtig verstanden – aber mir fehlt es auch an motorischem Feingefühl, deswegen war ich auch nie vom Konsolenspielen begeistert, bei dem man einen Joy Stick oder sowas für die Hand mit vielen Knöpfen benutzen sollte.

Ich rege mich dabei immer furchtbar auf, z.B. wenn man ein Rennen fahren möchte, was eine konzentrierte Bedienung noch mehr beeinträchtigt. Also, bis dato nichts für mich.

Bei meinen wenigen Versuchen fuhr ich theoretisch jedes Boot zu Schrott.

Allerdings stammen diese Erfahrungen auch noch aus der Zeit als es im Rahmen der Familienmannschaften nicht das zwingende Bedürfnis hatte mich damit auseinandersetzen zu müssen. Die Zeiten ändern sich, so ist das Leben.

Anlegen Boot, waren meine Stichwörter für meine Suche auf YouTube

Ich guckte mir dann zunächst das Video von Guido Dwersteg an, von dem hatte ich irgendwie schon einmal gehört, der kam mir bekannt vor, irgendwie ein Könner.

Wenn ich auf dem Boot in meiner Koje liege, lese ich gerne die Yacht, da bleibt dann auch manchmal der eine oder andere Namen hängen.

Im Video gab es die Sache grafisch und im Gegensatz zu meinen guten Vorsätzen, hieß es Einhandanlegen in der Box.

Mit meiner speziellen Fendergirl Logik mutmaßte ich, dass dann jeder Schritt einzeln dargestellt werden würde. Der Skipper muss dann ja alle Sachen nacheinander machen, weil er keinen zweiten Mann an Bord hat. Also erwartete ich Hinweise auf den ganz konkreten Ablauf beim Anlegen.

Die Boote lagen alle so wie bei uns im Hafen, mit dem Bug zum Steg hin, der als brauner Balken am oberen Rand der Grafik zu erkennen war.

Es war auch sehr schön, dass er extra auf der Grafik eine Leere Box markierte und erklärte, dass man in die reinfahren wollen würde. Der Mann war witzig! Genau mein Plan, Box treffen und keine Boote abrammen.

Es sollte auch kein Anlegen ohne Wind werden. Also realitätsnah, denn irgendwie ist immer Wind hier oben.

Der Wind kam von links, also von backbord. Backbord und Steuerbord kann ich gut auseinanderhalten, weil in dem Wort Steuerbord mehr „R´s“ sind und da wo mehr „R´s“ sind ist rechts.

Wie viel Wind von Backbord kam, darüber sagte er nichts. Dann wurde es schon schwierig. Während wir in unserem Hafen in unserer Boxengasse mit einer Linkskurve regelmäßig in die Box fahren, kam sein Beispielboot nun von rechts gegen den Wind, weil gegen den Wind manövrieren besser ist beim Anlegen.

Das war aus meiner Sicht unglücklich.

Für eine Rechtskurve vom Land aus reichte der Platz für unser Boot nicht und eine gewisse Geschwindigkeit braucht man wohl für die Manövrierfähigkeit.

Wenn ich bei meinen Jungs beim Einlaufen die Frage gestellt habe und teilweise ängstlich wiederholt hatte: „Sind wir nicht zu schnell? Sind wir nicht zu schnell?“ – Mir kam das halt so schnell vor – dann hatten die Herren immer gesagt, dass eine gewisse Geschwindigkeit sein müsse, damit das Boot manövrierfähig bleibt, sonst käme man nicht rum. Dies weil das Boot sonst nicht mehr auf das Steuerrad richtig reagieren könne. Ruderwirkung, Abdrift usw.

OK, ich fand uns trotzdem immer schnell, vielleicht ein bisschen schneller als genug schnell, aber ich konnte meiner Familiencrew ja voll vertrauen und die Erfahrung beim Anlegen war ja, das es bestens klappte.

Der versierte Skipper Dwersteg verkündetet, dass man halt gerne immer schön gegen den Wind anlegen solle.

Mmh, neben uns im Hafenbecken sind nur noch zwei kleine Liegeplätze, dann der Kranplatz, der ein Stück schräg in das Wasser ragt, und daneben liegt das Rettungsschiff der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Blöd für meine gedankliche Umsetzung von seinem guten Ratschlag. Mit unseren knapp 15 Metern so zu fahren, wie er das vorgab, geht nicht, glaube ich.

Mir deucht das zu eng, aber vielleicht stimmt da auch mein Raumgefühl nicht. Ich kann mich an keine Einfahrt in die Box mit Rechtskurve erinnern, also meine Annahme auch nicht verwerfen.

Würden wir zur zweit in unsere Box nur reinkommen können, wenn der Wind von backbord kommend landeinwärts bläst?

Neben seinen Erläuterungen wies er auch gleich darauf hin, dass wenn man nicht so schön gegen den Wind fahren würde, es zu erhöhten Schwierigkeiten kommen könnte.

Das wollte ich ja nun nicht gerade hören. Wind von hinten bedeutete, eher zu vertreiben durch mehr Schub und überhaupt und dann auf Nachbars Boot zu landen.

Ich konnte nicht mehr weiter „Stampfen“, ich musste mich setzen!

Mutmacher Videos würde ich anders gestalten! Aber vielleicht kann er sich als Experte gar nicht vorstellen, wie verquer es bei einem Fendergirl im Kopf zugehen kann.

Die kleine Bootsgrafik bewegte sich weiter. Ich folgte dem mit Spannung. Genauso sieht das immer in Echt aus. Erst sieht es so aus, als würden man den Dalben rammen und gleich mit dem Bug auf das andere Boot treffen oder am anderen Pfahl hängen bleiben.

Man würde auf jeden Fall irgendwo randängeln, so war meine Befürchtung, doch Herr Dwersteg meinte nur lässig, dass man das Boot, je weiter es in die Box reingefahren ist, geradeaus richtet.

OK, ok, hatte ich irgendwas nicht mitbekommen, wie ging das denn nun?

Er bekundete, dass es jetzt interessant werden würde und verlangte volle Aufmerksamkeit, wo es vorher doch schon, nach meiner Auffassung, sehr interessant und so aufregend war, dass ich keinen Schritt mehr tat.

Ich sollte mir als geneigter Zuschauer also vorstellen, dass ich mit Zweidritteln des Bootes an den Backbord-Dalben vorbei eingefahren bin, dass ich dann eine Heckleine ausbringe und zwar auf der Seite aus der der Wind kommt.

Aha, eine Erkenntnis hatte ich gewonnen die ich mir merken wollte und die mich nicht verängstigte, die Heckleine ist offensichtlich auf der Seite auszubringen, aus der der Seitenwind kommt und so zu legen, dass man sie gut händeln kann.

Alle Leinen sind natürlich vorher vorzubereiten und seine erste Heckleine, die sollte auf slipp liegen, das heißt vom Boot aus um den Pfahl herum und wieder zum Boot geführt sein.

Man sollte sich dann weiter mit dem Motor in die Box reinfahren lassen und dabei die Heckleine langsam länger werden lassen, Stück für Stück. Das Boot verrutschte in der Grafik mit dem Bug nach rechts, während die Bugspitze schon fast den Steg erreichte, mit dem Heck entsprechend nach links driftete.

Es wurden ein paar Hinweise erteilt, wie man mit Sachen – von denen ich auch noch nichts verstand – das dann korrigieren könne. Hängen blieb bei mir nur, man könne sich an die anderen Boote und deren Fender anlehnen.

Ob das mit dem Anlehnen, an die anderen Fender so eine gute Idee ist, wusste ich nicht. Im Notfall na klar, aber einfach mal so?

Zwar sind die Fender ja als Puffer vorgesehen, aber im Regelfall ist die Mannschaft eines schon im Hafen liegenden Bootes schon in einer Habachthaltung, wie ein Gepard der eine Antilope reißen will, kurz vor dem Sprung, um die „Rettungsmission“ für das eigene Boot einzuleiten.

So wirkt das jedenfalls immer auf mich. Die Gesichter wirken meistens eher nicht freundlich zugewandt.

Weiter ging es, nicht ablenken lassen!

Da muss ich nochmal einschieben, dass das mit dem nicht Ablenken lassen schwierig ist, besonders wenn so Vieles irgendwie neu ist, aber es gibt auch andere Gründe.

Das habe ich festgestellt, als ich während der Corona Zeit trendige Videos zum Thema Aufräumen, Entrümpeln und allgemein den Haushalt immer chi chi haben, verkonsumiert habe.

Da blieb ich beim Gucken einiger Tutorials, „Wie falte ich am besten meine Klamotten“ (ist ja für das Boot auch sehr sinnig) bei „Der magischen Küchenspüle“ hängen.

Aufräumen mit FlyLady: Ordnung für leicht ablenkbare Menschen“ von Gudrun Schwarzer, wurde von mir angeklickt.

Frau Gudrun Schwarzer referierte über eine Methode besser damit umgehen zu lernen, wie es ordentlich im Haushalt bleiben könnte.

Meine grundsätzliche Erfahrung ist, dass wenn man gerade etwas aufgeräumt hat, man sich eigentlich ganz still hinsetzen muss, sich nicht bewegen darf und das Aufgeräumte bewundern sollte. Alle anderen Haushaltsmitglieder müssen zusätzlich erstmal aus den vier Wänden entfernt worden sein und dann hat man die Chance, dass es so bleibt!

Bewegt man sich im Haushalt, bzw. kehren die Mitbewohner in den „Heimathafen“ zurück, muss man sich eigentlich nur einmal umdrehen und schon bahnt sich das Chaos wieder seinen Weg.

Dieser Eindruck kann natürlich auch meiner persönlichen Wahrnehmung und/oder meiner kindlichen Prägung geschuldet sein.

Ich kann mich durchaus erinnern, als Kind häufig ermahnt worden zu sein, in meinem Zimmer mehr als nur eine Laufstrecke zwischen Zimmertür und Bett frei zu halten. Manchmal eskalierte die Situation auch und meine Sachen, die auf dem Fußboden lagen, flogen alle aus dem Fenster. Nichts desto trotz fand ich beim Spielen und wenn ich meine Ideen ausheckte, Aufräumen überaus lästig. Ich wollte lieber spielen. Pädagogisch nachhaltig waren die Maßnahmen meiner Eltern jedenfalls nicht.  

Frau Schwarzer erklärte, dass diese immer wieder hereinbrechende Unordnung in uns liegen würde, also in Demjenigen der das auch so empfindet wie ich, und mit einem Aha-Erlebnis wäre dies zu beenden.

Man sollte in einen „Modus der Ordnung“ kommen.

Das versprach mir außerordentlich vielversprechend zu sein, nach 9 Minuten und 24 Sekunden durch ein Aha-Erlebnis mich nie wieder über das immer wiederkehrende einbrechende Chaos ärgern zu müssen. Suuuuper!

Über das reine Zuhören sollte die Einsicht kommen.  Ich hörte genau hin. Ohne das Gendern mit einzubeziehen, sondern nur unter dem Aspekt Mensch sein, wurde aufgeteilt in den Plan-Menschen und den Impuls-Menschen.

Nachdem zunächst die Ausführungen zum Plan-Menschen kamen – Plan-Menschen schreiben sich ihre Pläne auf und arbeiten sie tuck, tuck, tuck ab – kam sie auf den Impuls-Mensch zu sprechen.

Die Impuls-Menschen sind ähnlich gestrickt wie die Plan-Menschen, machen sich auch einen Plan, aber dann kommt kein tuck, tuck, tuck. Der Impuls-Mensch fängt hochmotiviert mit dem ersten Schritt auf dem Plan an, aber dann sieht er etwas Anderes, z.B. beim Küche aufräumen ein Buch was in der Küche liegt und nicht in die Küche gehört. Der Impuls-Mensch schafft es dann nicht, das Buch einfach im Wohnzimmer, oder wo auch immer es hingehört, hinzustellen, sondern liest dann das Buch eine Viertelstunde und lässt sich dann wieder von einem Telefonklingeln davon ablenken das Buch in den Schrank zu legen. Anhand eines ausgiebigen Beispiels von Frau Schwarzer befindet sich der Impuls-Mensch irgendwann im Wäschekeller und schmeißt gerade eine Waschmaschine an, anstatt die Küche aufzuräumen, wie es dem ursprünglichen Plan entsprochen hätte.

Irgendwie kam mir das bekannt vor! Und dieses Tuck, Tuck, Tuck, ist einfach sehenswert.

Anstatt sozusagen auf gerader Linie zum Ziel zu kommen neigen die Impuls-Menschen dazu einen Zick-Zack-Kurs zu laufen. Schon wurde man als Impuls-Mensch als LAHM abgestempelt. LAHM steht für: Leicht ablenkbare Haushalts Managerin! Eine LAHM zu sein, sei allerdings nicht schlimm und mit dem Buch „FlyLady“, welches Frau Schwarzer aus dem englischen übersetzt hat, würde man auch als LAHM zukünftig mit der Ordnung besser zurechtkommen.

Eine blitzblanke Küchenspüle, aufgeteilte Hausbereiche und eine Stoppuhr eingestellt auf 15 Minuten sollten letztendlich Abhilfe schaffen.

Und tatsächlich 15 Minuten kann man sich tatsächlich auch mal, mit der Stoppuhr im Nacken mit total ungeliebten Arbeiten befassen und schafft ungeahnt unfassbar viel.

Warum habe ich das jetzt eingeschoben? Wo waren wir vorher stehen geblieben? Beim Einfahren in die Box mit seinen Tricks und Tücken.

Jetzt hatte ich zwar die richtige Reihenfolge beim Anlegen verstanden, aber mir war aufgefallen, dass das Knowhow für das Überbringen der Leinen noch nicht ausreichend war. Leinen schmeißen hatte ich noch nie gemacht. Für ein Rüberlegen sind die Arme nicht lang genug, zumindest aus meiner Sicht.

Herr Dwersteg schritt bei seinem Anlegemanöver voran.

Während er hinten an der Leine hing, der Wind kam immer noch von Backbord, also hinten links, schritt er nach vorne links, kickte die Fender linksseits an Bord raus und machte bei seinem Musterbeispiel dann vorne links am Steg fest, so dass das Boot aus der Seite aus der der Wind kam, gesichert war.

Dann ging es rechtsseitig an Bord zurück. Fender raus, Maschine auskuppeln, Steuerbord-Achterleine heraus, also hinten die Leine auch über den Pfahl, wieder nach vorne und auf der Wind abgewandten Seite vorne die Leine an den Steg und dann war er irgendwie fertig.

Wirkte sehr easy! Wie er die Leine über die Pfähle und die Klampen gebracht hatte war natürlich in der Grafik nicht sichtbar.

Einhandmanöver beim Anlegen in der Box sollte man dann, so der Ratschlag, am besten bei nicht so viel Wind üben und am Anfang noch gesichert durch einen zweiten Mann.

Wenn das Einhand so einfach wäre, dann müssten wir das ja zu zweit gut hinkriegen können und man brauchte gar keine großartige Aufgabenverteilung, so wie ich mir das vormals gedacht hatte. Jedenfalls nahm mir das die Panik gefühlt an vier Stellen vom Boot gleichzeitig zu sein.

Dennoch blieb bei mir ein großes Aber hängen.

Denn hatte ich nicht erlebt, wenn wir schon im Hafen lagen und andere Boote sich ihre Liegeplätze noch erarbeiteten, dass es zu lautstarken Auseinandersetzungen zwischen Skipper Crew kam? Auch größere Mannschaft als Zweierkonstellationen bekamen Leinen nicht über die Pfähle. Menschen klammerten sich einseitig an den Pfahl, weil das Seil irgendwo war, aber nicht über dem Pfahl drapiert. Manch Seil verschwand im Hafenbecken, manches in der Schraube. Oft war das Boot auch schnell am Pfahl vorbeigelaufen und der Pfahl plötzlich weit entfernt.

Die Magie, dass sich die Leinen zur Sicherung des Bootes tatsächlich da befinden, wo Herr Dwersteg sie lässig platziert hatte und sie hingehören, sah ich noch als echtes Problem an.

Sehr wahrscheinlich ist Herr Dwersteg ein Zauberer und kein Muggel und es lieg daran oder wie?

Weitere Videos, die diese Magie der Leinen, des Leinen Überbringens oder Werfens erklärten, mussten her.

Ich wollte das eben grafisch Dargestellte jetzt mal in echt sehen und nicht auf einer Grafik.

Aber da war mit meinen Suchwörtern gar nicht so leicht etwas zu finden.

Peter Pan und sein weißer Hund legen Einhand in ihrem Video sehr lässig rückwärts an. Der Hund übernahm dabei keinerlei Aufgaben, machte daher auch nichts falsch. Sehr schön, aber eben anders und ich wollte mich ja auch nicht schon wieder von meinem Vorwärtsanlegen ablenken lassen. Ich wollte ja eine Variante, die sich auf uns bezog, und bei uns heißt es vorwärts in den Heimathafen.

Seitlich anlegen wurde mir angeboten. Aber das waren ja auch schon höhere Sphären für mich. Sporedo Segelreisen hatte viel zu Anlegemanövern zu bieten, aber auch viel rückwärts und mit Muring. Eine Muring hatte ich bisher erst einmal im Leben gesehen, in einem Hafen in Dänemark. Das Prinzip war mir noch völlig unklar und ich wollte mich ja nicht ablenken lassen. Das Suchen wurde mir jetzt zu zeitaufwendig. und langatmig.

Daher entschied ich mich, mir zwei neue Themengebiete zu erschließen. Nämlich die Magie der Leinen und ich könnte mal bei den alten „Yacht“ Zeitschriften gucken, die sich bei uns schon stapeln. Vielleicht findet sich da was Kluges zum Vorwärts Anlegen zu zweit und vielleicht wären wichtige Infos, betreffend meiner angestrebten Zukunftsperspektive als allzeit sicheres und volleinsetzbares Crewmitglied dort zu finden.

Außerdem würde ich meine Familien Crew in meine Überlegungen mit einbeziehen und die mal fragen – die kennen mich ja schließlich gut – welcher Plan für mich zum Vorwärtsanlegen geeignet sei, zumal Herr Dwersteg, in seinen nicht käuflichen Videos mir keine freie Sicht auf sein magisches Anlegemanöver in echten Bildern über YouTube zu Teil kommen lassen wollte. Auf seiner frei verfügbaren Playlist war dazu derzeitig für mich nichts mehr zu finden.

Zumindest fühlte ich mich sprachlich für einen Austausch mit Seglern schon ein bisschen besser vorbereitet.

Also das letzte Video zu Hafenmanöver vorwärts in die Box ist noch nicht gesehen, das letzte Wort noch nicht geschrieben.

Hocipoci

2 Kommentare zu „Das perfekte Hafenmanöver, Anlegen Bug voraus in der Box

  1. Es ist alles wunderbar beschrieben und kurzweilig zu lesen. Anhand der Beschreibung kann auch eine Nichtseglerin einiges Verstehen und ein bisschen Nachvollziehen. Einige Ausdrücke habe ich nachgeschlagen. ( was ist eine Klampe/ Dalbe) Die „Zwischengedanken“ sind lustig beschrieben und regt zum weiterlesen an. Weiter so und immer ne Handbreit Wasser unterm Kiel!

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