Inhaltsverzeichnis/(Empfehlung zur Lesereihenfolge)
- Wer ist Hocipoci?
- Es begann schleichend in mein Bewusstsein zu kriechen. Ich muss richtig Segeln lernen!
- Strategie YouTube „Segeln für Anfänger“
- Weltumsegler zum Anfassen mit Patreon, Freunde klären mich auf
- Motivation zum Segeln mit SV Delos
- Das perfekte Hafenmanöver, Anlegen Bug voraus in der Box
- Die Yacht, was moderne „Bordfrauen“ unbedingt auch lesen sollten
- Das Erste Mal mit zwei verdeckten Ermittlern
- Segelbücher für Frauen der anderen Art, must have!(Teil 1)
Gedacht getan, schon nutzte ich mein nächstes Zeitfenster, um mir die Segler bei Patreon genauer anzuschauen. Patreon sailing war mein Suchbegriff und schon lieferte das Netz. So viele waren da. Schön waren die kleinen Beschreibungen oder Bilder, die die jeweiligen Projekte zusammenfassten. Traumhaft!
So konnte ich ohne erst lange zu gucken aussortieren. Mit Kindern nein, mit Katamaranen nein, mit kleinen Booten nein und Alleinsegler nein. Das recht flott und dann fand ich sie, die SV Delos und schon lange dabei.
Bootsnamen merken und zack über YouTube SV Delos Episode 1 anklicken. Schon ging es los und ich lernte Brady und Brain Trautman mit Erin kennen.
Das Video fing auch nicht mit wildem „Hej Ho“ und „hallo Leute“ an. Schön!
Fotos, Schrift, gute Musik und kurze Filmsequenzen in denen sie sich wechselseitig nach ihren Befindlichkeiten fragten. Sehr einfach. Ich konnte es kaum glauben. Erin ging es bei den Befragungen nicht gut, sie sah richtig seekrank aus und schien sich nicht wohl zu fühlen. Gequältes Lächeln, Begeisterung geht eigentlich anders.
Bei den von Brady und Brian geschilderten Begebenheiten und Taucherlebnissen war sie wegen den „großen Fischen“ ausgestiegen.
Das schien ja ein „Volltreffer“ zu sein und irgendwann würden dann sicher die Hafenmanöver auch kommen. Dachte ich so. Angetan, so schnell das Richtige gefunden zu haben, konnte ich weiter vor dem Bildschirm „stampfen“, um meine Schrittzahl zu erhöhen.
Optimaler konnte der Einstieg doch gar nicht sein. Glückliche Männer und eine genervte Seekranke, die den Weißen Hai wohl zur Unzeit geschaut hatte. Ich war sehr gespannt, wie Erin sich da als Seglerin entwickeln würde. Vielleicht würde es mein Schrittrekord!
Ich schaute und schaute und konnte mich immer mehr begeistern. Die Bilder, die sie zeigten, erinnerten mich an Zeiten als mein Göttergatte und ich noch jünger waren. Die Lebensphase vor den Kindern. Jede Phase ist schön, soweit ich das bis jetzt beurteilen kann, aber eben unterschiedlich mit unterschiedlichen Anforderungen.
Unbeschwert fremde Länder erkunden, mit Autos, die erst zusammengeschraubt werden mussten um fahrtüchtig zu werden, durch Europa fahren. Und natürlich individuell gestylt (die Autos, nicht wir). Zwischendurch Party machen mit irgendwelchen netten Leuten, die man unterwegs traf und die auch mit dem Rucksack irgendwo hinwollten, um die Welt zu erkunden. Waren sie besonders nett, dann ging es vielleicht ein Stück gemeinsam auf die Reise.
Sich Mopeds in fremden Ländern ausleihen und über holperigen Straßen die Wege durch den Dschungel entlangknattern, war auch damals bei uns angesagt.
Nicht vor zehn Jahren, sondern vor dreißig Jahren.



Damals fühlte sich das Leben rückblickend leichter an. Man hatte nicht viel und Verantwortung mehr oder weniger nur für sich selbst. Es gab weniger Alltag, viele Erlebnisse und der studienbezogene Wissenserwerb, waren neu und aufregend. Man lebte nicht „erwachsen“ sondern „cool“. Was eben jeder für sich darunter verstand. Die 80er Jahre waren unsere Zeit. Man sah noch Michal Jackson, Prinz, Frank Zappa, Pink Floyd und Phil Collins live. Man „mogelte“ sich backstage rein sprach mit den Künstlern persönlich, „trampte“ mit der Polizei oder stellte sich demonstrativ auf DDR Gelände in Berlin.
Soweit irgendetwas davon grundsätzlich strafbar sein sollte, ist da Verjährung eingetreten!
Als Brady und Brain in der Episode 10 auf den Mopeds herumknatterten, hatten sie mich.
Das erinnerte mich voll an Indonesien, wo wir uns mit Freunden in Jakarta trafen. Die kamen aus Deutschland und wir aus Hongkong und dann trafen wir noch zufällig die „Wattefüße“ aus dem Rheinland und reisten auch auf Mopeds ein Stück gemeinsam.
Dass der Wohnsitz von Familie Trautman auf ihrer Reise immer das Boot war, fand ich ausgesprochen clever und nachhaltig in der heutigen Zeit. Außerdem kamen sie so zu Orten, die man mit dem Auto nicht erreichen kann. Das Boot sparte ihnen die Suche nach einer geeigneten Übernachtungsmöglichkeit, sie hatten alles dabei, viel mehr als das was in einen Rucksack passt, das Zuhause quasi unter dem Arm.
Ist doch schlau, dachte ich, wo heutzutage an jedem schönen Fleckchen der Welt, anders als es damals bei uns war, schon mindestens ein Hotel steht. Heute weiß man ja kaum, was man den unternehmungslustigen Kindern an Ländern zum Reisen anraten soll. Die Ecken wo wir uns damals tummelten sind heute alle voll erschlossen und mit Plastikmüll verdreckt.
Da bietet das Reisen mit dem Boot noch viel bessere Möglichkeiten. Kommt eben keiner mit dem Auto hin und für Kreuzfahrtschiffe ist es zu flach. Wie schön dass die ein Boot haben was so etwas alles ermöglichen kann, dachte ich und der Gedanke war noch nicht zu Ende gedacht, als bei mir der Groschen fiel, wir haben auch ein Boot was so etwas könnte. Das Boot hatte sich schon längst mit seiner Vita bewiesen.
Die arme Erin und ihre Unverträglichkeiten und Belange hatte ich schon vergessen. Sie verschwand dann auch schnell ganz von der Bildfläche.
Ich hatte meine Miniparallele gefunden und präsentierte stolz meinem Göttergatten am Abend den „Schatz“, den ich gefunden hatte. Für ihn mit echtem Seglerherz war das, perfektes Fernsehprogramm.
Brady und Brain wurden Teil unseres Corona Freizeitlebens, virtuelle Familienmitglieder. Dann lugte schon Kazza in die Kamera und Josje war auch plötzlich da. Brady und Brien mussten sich eine Auszeit vom Segeln nehmen und Geld verdienen, um weiter Reisen zu können.
Die beiden Weltumsegler hatten hart gejobbt für ihren Traum und konnten dann ihrer Leidenschaft wieder folgen. Klassisch und man fühlte Verbundenheit. Das Boot war zwischendurch geparkt worden und weiter ging die wilde Fahrt. Wie schön als die Crew der SV Delos wieder zusammenkam. ( Episode17)
Wir folgten ihnen digital. Unser Kontrastprogramm gegen die Corona Berichte. Ein Stück heile und sich bekannt und wohlig anfühlende Welt.
„Buy us a beer“ war nicht nur ein lustiger Slogan, um zu Spenden aufzurufen, sondern einfach locker und schön. Gemeinsam durfte zu dem Zeitpunkt ja hier mittlerweile keiner mehr was machen und sich schon gar nicht gemeinsam auf ein Bierchen treffen. Angesagte Kontaktsperren wurden nahezu täglich verschärft, bis hin zu Ausgangssperren. Zu zweit, als Mitglieder eines Haushaltes, konnte man ihnen aber zuprosten.
Furchtbar traurig war Episode 95 als Brady und Josje auseinandergingen und der Rest der Crew sich wieder in die Welt zerstreuten. Kazza, Brian und Brady blieben an Bord. Was habe ich mit geheult. Das passiert mir sonst eher nur bei Filmen wie „Frühstück bei Tiffany“ wo Audrey Hepburn am Ende des Films ihren Kater ohne Namen wiederfinden will.
Wir haben systematisch eine Folge nach der anderen gekuckt. Keiner erklärt so gut, wie man so schönen Schnaps macht wie Brian mit seinem Zutatenkoffer. So einen Koffer hätte mein Mann auch gerne, obwohl er sonst mit Köcheln nichts am Hut hat.
Für alle, die auch gerne Rum machen wollen, empfehle ich unbedingt die Episode 25 zu gucken.
Es gab so viele gute Hinweise in den Videos von der Crew in ihren Videos von ToDo Listen, über Sicherheitseinweisungen für neue mitreisende Crewmitglieder, Notfallpläne laminiert und das besondere Bootsreparaturbuch für ältere Boote. Auch Polieren des Bootes gehörte dazu und die Verteilung von Routineputzarbeiten.
Am besten sollte man, meine ich, alle Episoden gucken und zwar mindestens bis zum „Staffelfinale“ bei Episode 227. Natürlich folgt auf eine…, ach, ich will lieber nicht spoilern! Jedenfalls wird man mit den Berichten von der SV Delos hautnah mitgenommen und bekommt ein Gefühl für die Freiheit auf dem Wasser.
Und irgendwie schien diese jugendliche Freiheit abzufärben. Sich mit dem Segeln zu beschäftigen macht jung bzw. hält jung. Klarer Bonuspunkt fürs Segeln!
Meine Motivation war jetzt extrem hoch, nicht nur wegen meiner persönlichen Situation, sondern weil ich glaubte verstanden zu haben was das Segeln einem geben kann.
Dank Patreon hatte ich die SV Delos gefunden und ihre tollen Videos gesehen. Vielen herzlichen Dank dafür!
Es wurde Zeit mir Listen zu machen. Gelbe Zettel, wie auf der SV Delos was alles zu tun ist und was schon getan wurde und welches Problem ich abhaken kann.
Ich beklebte dann doch nicht die Wände, sondern übernahm diese Methode in Form eines Notizbuches, welches ich überall mithin nehmen konnte, um meine zwischenzeitlichen Gedanken zu notieren.
Es ging voran!
Hocipoci